Tiny Houses – was auf den ersten Blick wie ein kompaktes Haus erscheint, ist bei genauerer Betrachtung ein vielschichtiges Konzept. Unsere Praktikantin Hanna Majewski gibt in folgenden Beitrag Einblicke in zentrale Erkenntnisse und Potenziale dieser Wohnform sowie in unseren eigenen Prototypen.
Tiny Houses verkörpern eine Wohnform, die aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift: den Wunsch nach Reduktion, Flexibilität, Nachhaltigkeit und einer effizienteren Nutzung von Wohnfläche. Was auf den ersten Blick wie ein kompaktes Haus erscheint, ist bei genauerer Betrachtung ein vielschichtiges Konzept. Für die Entwicklung unseres eigenen Tiny Houses hat sich unsere Praktikantin Hanna Majewski vertieft mit dem Konzept Tiny House auseinandergesetzt. Dabei beschäftigte sie sich unter anderem mit Fragen wie: Wie viel Raum braucht ein Mensch tatsächlich? Welche Funktionen muss ein Zuhause erfüllen? Und wie lassen sich Komfort, Effizienz und rechtliche Grundlagen auf kleinem Raum miteinander verbinden? In folgendem Beitrag gibt sie Einblicke in zentrale Erkenntnisse und Potenziale dieser Wohnform sowie in unseren eigenen Prototypen.
Wörtlich übersetzt bedeutet Tiny House «kleines Haus». Eine allgemein gültige Definition gibt es jedoch nicht. Häufig geht man von rund 30m2 Wohnfläche für eine Person aus und für jede weitere Person kommen 15m2 hinzu. Entscheidend ist dabei weniger die exakte Quadratmeterzahl, sondern vielmehr die Funktion. Ein Tiny House ist nicht als Ferienunterkunft zu verstehen, sondern als vollwertiger Wohnraum mit Heizung, Küche, Badezimmer, Wohnbereich und allem, was dauerhaftes Wohnen ermöglicht.

Grundsätzlich lassen sich drei Typen von Tiny Houses unterscheiden. Zum einen gibt es Tiny Houses auf Rädern. Dabei handelt es sich nicht um klassische Wohnmobile, sondern um kompakte Häuser, die grundsätzlich mobil bleiben und ihren Standort gelegentlich wechseln können. Weiter gibt es modulare Tiny Houses, die aus einzelnen Elementen zusammengesetzt werden. Sie lassen sich wie Bausteine kombinieren, auf der Strasse transportieren und anschliessend auf einem Fundament platzieren. Die dritte Form ist das Tiny House an einem fixen Standort mit festem Fundament, das gezielt auf ein bestimmtes Grundstück abgestimmt wird.
Die Planung eines Tiny Houses erfordert einen besonders bewussten Umgang mit dem verfügbaren Raum. Neben rechtlichen Aspekten muss auch geprüft werden, wie das Tiny House transportiert wird und welche Anforderungen sich daraus an die Strassenzulässigkeit ergeben. Bei einem modularen Tiny House ist es beispielsweise sinnvoll, die Breite so zu definieren, dass keine zusätzliche Strassenbewilligung benötigt wird. Ausserdem ist eine praktische Raumgestaltung zentral: Möbel übernehmen mehrere Funktionen, Stauraum wird in Betten, Treppen, Tischen oder Wänden integriert und bewegliche Elemente können Räume flexibel nutzbar machen. Beispielsweise kann eine Sitzbank gleichzeitig als Stauraum dienen, während sich ein Esstisch je nach Bedarf vergrössern oder verkleinern lässt. Gerade diese Multifunktionalität ist ein wesentliches Merkmal von Tiny Houses. Gleichzeitig braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen flexiblen und festen Elementen. Wenn zu viele Elemente verschiebbar sind, kann der Alltag aufwendig werden. Ein Tiny House soll effizient sein, aber trotzdem ein Gefühl von zuhause vermitteln.
Nachhaltigkeit ist ein weiteres zentrales Merkmal von Tiny Houses. Sie beginnt bereits bei der Planung und Materialwahl. Langlebige, widerstandsfähige und möglichst ressourcenschonende Materialien wie Holz eignen sich besonders gut für kompakte Wohnformen. Auch im Alltag zeigt sich der nachhaltige Gedanke, da kleinere Wohnflächen weniger Energie für Heizung, Beleuchtung und Unterhalt benötigen. Technische Lösungen wie eine Luft-Wärmepumpe oder eine Photovoltaikanlage können diesen Effekt zusätzlich unterstützen. Gleichzeitig fördert das Wohnen auf kleiner Fläche einen bewussteren Umgang mit Besitz und Konsum. Weniger Stauraum bedeutet, bewusster auszuwählen, was wirklich benötigt wird.
Mit dem «Vogel Haus» wurde ein Prototyp entwickelt, der diese Überlegungen aufgreift. Es handelt sich um ein kompaktes, schlichtes und quadratisch organisiertes Haus, das auf einer Ebene funktioniert. Durch das eingeschossige Modul entsteht ein effizienter Grundriss mit geringen Verkehrsflächen, der für unterschiedliche Nutzergruppen gut zugänglich ist. Die Raumhöhe von rund 2.40 Metern unterstützt ein angenehmes Raumgefühl. Das Haus ist so konzipiert, dass es trotz kleiner Fläche nicht erdrückend wirkt, sondern Bequemlichkeit und Alltagstauglichkeit bietet. Gleichzeitig kann es wie ein normales Haus an Kanalisation und Infrastruktur angeschlossen werden. Durch den modularen Aufbau lässt sich das Vogel Haus transportieren und benötigt keine zusätzliche Strassenbewilligung. Zudem kann es individuell an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst werden.

Tiny Houses sind für unterschiedlichste Zielgruppen interessant. Besonders häufig sprechen sie Paare an, etwa junge Paare, die erstmals gemeinsam wohnen oder Paare, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Auch Einpersonenhaushalte können von dieser Wohnform profitieren. Für Personen mit dem Wunsch nach einem Eigenheim kann ein Tiny House eine Möglichkeit sein, diesen auf reduzierter Fläche zu verwirklichen. Dies gilt besonders dann, wenn der Platz eines normalen Hauses nicht benötigt wird. Der reduzierte Wohnraum bringt einen geringeren Aufwand für Reinigung, Unterhalt und Haushalt mit sich und schafft dadurch mehr Freiraum für andere Aktivitäten. Wer viel reist oder selten zu Hause ist, erhält dennoch einen festen Wohnsitz, an den er zurückkehren kann.
Darüber hinaus entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten. Tiny Houses können auf Grundstücken stehen, auf denen noch ungenutzte Flächen vorhanden sind. Für Eigentümerinnen und Eigentümer kann daraus eine Möglichkeit entstehen, diesen Raum sinnvoll zu nutzen oder zusätzlichen Wohnraum zur Vermietung anzubieten. Auch Gruppenlösungen sind denkbar, bei denen mehrere Tiny Houses auf einem Grundstück angeordnet werden. Dadurch lassen sich Anschlusskosten teilen und gemeinschaftliche Strukturen schaffen.
Tiny Houses stehen für eine Wohnform, die bewusst reduziert, aber nicht weniger durchdacht ist. Sie zeigen, wie viel Potenzial in kompaktem Raum für Bewohnende, Grundstückseigentümer sowie Planende liegen kann.
Gerne stellen wir Ihnen im persönlichen Austausch unser Vogel Haus vor und zeigen auf, welche Möglichkeiten diese kompakte Wohnform bietet.