Holzbau gewinnt im mehrgeschossigen Wohnbau zunehmend an Bedeutung – nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aufgrund seiner architektonischen und konstruktiven Qualitäten. Bei unserem Neubauprojekt HD7 in Rheinfelden wurde diese Bauweise bewusst als zukunftsweisendes Zeichen eingesetzt. Unsere Architektin, Silvia Branzi, gibt Einblick warum Holzbau hier zur richtigen Wahl wurde, welche planerischen Anforderungen damit verbunden waren und welche Erkenntnisse sich daraus für zukünftige Projekte ableiten lassen.
Der Entscheid für die Holzbauweise beim Projekt HD7 geht auf die Bauherrschaft zurück, die im Rahmen eines Wettbewerbs gezielt ein nachhaltiges Leuchtturmprojekt für Rheinfelden realisieren wollte. Der Holzbau bildet dabei den Hauptteil der Konstruktion, ergänzt durch einen massiven Kern sowie Keller- und Einstellhallen aus Beton. Diese hybride Bauweise verbindet konstruktive Effizienz mit den ökologischen Vorteilen des Holzes.

Im Architekturbüro nimmt der Holzbau im Wohnungsbau bislang noch eine eher sekundäre Rolle ein. Gleichzeitig ist jedoch eine klare Tendenz erkennbar: Die Nachfrage steigt, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern und bei Projekten mit hohen Nachhaltigkeitsanforderungen. Neben dem HD7 zeigen auch andere bereits durch uns realisierte Bauten, etwa Wohnprojekte oder Produktions- und Lagerhallen, das wachsende Potenzial des Holzbaus.
Holz überzeugt durch sein geringes Gewicht, den hohen Vorfertigungsgrad und die Möglichkeit einer schnellen, sauberen Baustellenabwicklung. Die präzise industrielle Fertigung reduziert Bauzeiten und steigert die Ausführungsqualität. Gleichzeitig verfügt Holz über sehr gute bauphysikalische Eigenschaften und bindet CO₂, anstatt es zu verursachen. Damit ist Holzbau nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich interessant – insbesondere bei seriellen oder wiederholbaren Strukturen.
Auch auf Bauherrenseite werden diese Qualitäten zunehmend geschätzt. Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken spielen das angenehme Raumklima, die Transparenz über den Lebenszyklus des Materials sowie die architektonische Atmosphäre eine immer wichtigere Rolle. Holzbau fügt sich damit nahtlos in den gesellschaftlichen Wandel hin zu klimaneutralem, ressourcenschonendem und zukunftsorientiertem Bauen ein.
Die Planung des Projekts HD7 war von besonderen Rahmenbedingungen geprägt. Die trapezförmige Parzelle, die Einbettung zwischen markanten Nachbarbauten sowie die Öffnung zum Rhein stellten hohe Anforderungen an Entwurf und Baukörper. Zusätzlich galt es, die Vorgaben des Gestaltungsplans der Stadt Rheinfelden einzuhalten. In einem mehrjährigen Dialog mit dem Beirat Stadtgestaltung entwickelte sich schrittweise die heutige Form des Gebäudes.

Zentral für den Projekterfolg war die integrale Planung. Architektur, Statik und Haustechnik mussten von Beginn an eng verzahnt werden, da der hohe Vorfertigungsgrad des Holzbaus wenig Spielraum für spätere Anpassungen lässt. Digitale Planungsmodelle und eine präzise Detailausarbeitung ermöglichten es, Schnittstellen frühzeitig zu klären. Herausforderungen wie die Koordination der Gewerke oder der Brandschutz wurden durch BIM-gestützte Planung, regelmässige Abstimmungen und innovative konstruktive Lösungen bewältigt.
Holz prägt die Architektur des Gebäudes sichtbar. Tragstrukturen werden Teil des gestalterischen Ausdrucks und verleihen den Räumen Wärme und Natürlichkeit. Auch die Fassade entwickelt mit der Zeit eine eigene Lebendigkeit, die dem Gebäude Charakter und Authentizität verleiht. Ein besonderes gestalterisches Highlight sind die weit auskragenden, stützenfreien Balkone, die grosszügige Ausblicke auf den Rhein ermöglichen und die Leichtigkeit der Holzbauweise eindrucksvoll unterstreichen.
Aus dem Projekt lassen sich klare Lehren ziehen: Eine frühe, integrale Planung ist entscheidend für Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Holzbau. Gleichzeitig gilt es, gängige Vorurteile zu hinterfragen. Holz ist weder weniger langlebig noch weniger brandsicher als andere Bauweisen – im Gegenteil: Richtig geplant und ausgeführt erfüllt es höchste Anforderungen bei gleichzeitig geringem Wartungsaufwand.
Das Projekt HD7 zeigt exemplarisch, welches Potenzial im modernen Holzbau steckt – architektonisch, konstruktiv und ökologisch. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus klarer Haltung, integraler Planung und präziser Umsetzung.
Gerne teilen wir unsere Erfahrungen aus Holzbauprojekten und zeigen auf, wie sich nachhaltige Bauweisen sinnvoll und qualitätsvoll realisieren lassen.
Für einen fachlichen Austausch stehen wir jederzeit zur Verfügung.